Ste­pha­nie Selmer

Chan­ge Sto­rys sind Infor­ma­tio­nen mit Seele

Zah­len, Daten und Fak­ten haben aus­ge­dient. Wer in sei­nem Unter­neh­men eine Ver­än­de­rung anstrebt, setzt auf eine gute Chan­ge Story.

Als ich 18 Jah­re alt war und mei­nen Füh­rer­schein seit gera­de ein­mal zwei Wochen hat­te, soll­te ich mei­nen klei­nen Bru­der in ein 70 km ent­fern­tes Zelt­la­ger fah­ren. Ich hat­te noch kein eige­nes Auto, aber ich durf­te den alten Mer­ce­des mei­ner Eltern fah­ren. Ich fühl­te mich groß­ar­tig und unglaub­lich erwach­sen. Aller­dings war das für mich auch die ers­te Fahrt allein auf einer Auto­bahn und ich war ziem­lich auf­ge­regt. Die Hin­fahrt ver­lief ohne Pro­ble­me, ich hat­te mich noch nicht ein­mal ver­fah­ren. Für die Rück­fahrt war ich zuver­sicht­lich – das lief ja wie am Schnür­chen. Also schal­te­te ich das Radio an und sang laut­hals mit. Bis ich ein lei­ses Klap­pern aus dem Motor­raum hör­te. Die Ent­span­nung war wie weg­ge­bla­sen. Mir wur­de heiß und kalt und wuss­te nicht, was ich tun soll­te. Dar­auf war ich ein­fach nicht vor­be­rei­tet. Also tat ich das Ein­zi­ge, was mir in die­sem Moment ein­fiel… ich dreh­te das Radio lauter!

Man­che Chan­ge-Pro­jek­te erin­nern mich an genau die­se Situa­ti­on. Die Ver­ant­wort­li­chen haben einen gewis­sen Gegen­wind bekom­men und kom­mu­ni­zie­ren immer mehr und mehr, jedoch in den glei­chen Mus­tern und ohne zu reflek­tie­ren, ob sie da über­haupt das Rich­ti­ge machen. Mehr vom Glei­chen führt in einem Chan­ge-Pro­jekt nur sel­ten zu einem bes­se­ren Ver­ständ­nis oder weni­ger Wider­stän­den. Im Gegen­teil: So nimmt ein Pro­jekt schnell Aus­wüch­se an, die Chan­ge-Ver­ant­wort­li­che nur schwer wie­der behe­ben können.

Seit etwa 15 Jah­ren beglei­te ich nun Chan­ge-Pro­jek­te und ent­wick­le mit den Ver­ant­wort­li­chen indi­vi­du­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zep­te. Dabei ist Sto­ry­tel­ling in den letz­ten Jah­ren immer mehr in den Fokus gerückt, denn es ist klar gewor­den, dass Geschich­ten fes­seln und eine beson­de­re Macht haben, Men­schen zum Han­deln zu bewe­gen. Im Mar­ke­ting ist das heu­te schon gang und gäbe.

Coca-Cola stellt Geträn­ke­au­to­ma­ten in Indi­en und Paki­stan auf und ver­schenkt Geträn­ke an alle, die gemein­sam tan­zen. Auf ebay fin­det ein Har­ley-Enthu­si­ast sei­ne alte Maschi­ne wie­der, die er als frisch­ge­ba­cke­ner Vater ver­kau­fen muss­te. Und Bri­tish Air­ways bringt einen jun­gen Mann zurück zu sei­ner Mut­ter nach Mum­bai. Die­se und ähn­li­che Geschich­te rüh­ren uns zu Trä­nen und sor­gen neben­bei für ein gro­ßes Umsatz­plus. Die Mus­ter aus dem Sto­ry­tel­ling für das Mar­ke­ting sind jedoch nur bedingt auch in der Chan­ge-Kom­mu­ni­ka­ti­on anwend­bar. Denn hier geht es in ers­ter Linie um eine Trans­for­ma­ti­on, nicht um eine Moment­auf­nah­me. Sto­ry­tel­ling im Mar­ke­ting ver­bin­det uns mit einer Mar­ke, Sto­ry­tel­ling im Chan­ge bringt uns auf den Weg. Dar­um ist einer der wich­tigs­ten Punk­te einer guten Chan­ge Story:

Machen Sie die Trans­for­ma­ti­on sichtbar

Ges­tern, heu­te, mor­gen – das sind drei fast magi­sche Schrit­te erfolg­rei­cher Chan­ge Sto­rys. Wie war es, bevor die Ent­schei­dung für das Pro­jekt gefal­len ist? Wie ist der aktu­el­le Zustand und wel­che Schrit­te gehen wir gera­de? Wel­che Zukunft liegt vor uns, wenn wir die­ses Pro­jekt erfolg­reich abschlie­ßen? In einer guten Chan­ge-Sto­ry sind die­se drei Dimen­sio­nen immer wie­der klar erkenn­bar. Betrach­ten Sie auch die Ele­men­te der klas­si­schen Hel­den­rei­se so und es ent­ste­hen facet­ten­rei­che Hel­den, Kon­flik­te und Bera­ter. Erst wenn im Lau­fe der Geschich­te eine Trans­for­ma­ti­on sicht­bar wird, wird aus einer Sto­ry tat­säch­lich eine Chan­ge Story.

Sie wol­len wis­sen, wie es mit mei­ner ers­ten Auto­pan­ne wei­ter­ging? Es dau­er­te kei­ne zehn Kilo­me­ter mehr, bis das Auto mit einem Motor­scha­den lie­gen­blieb. Zum Glück kam ein paar Minu­ten spä­ter ein Auto­bahn­po­li­zist vor­bei, der mich beru­hig­te und mit mir die Pan­nen­stel­le absi­cher­te. Ich konn­te also ein­fach auf den ADAC war­ten und kam mit­ten in der Nacht mit einem Miet­wa­gen wie­der zu Hau­se an, völ­lig über­mü­det, doch mit mehr Selbst­ver­trau­en, als ich es mor­gens hat­te. Und seit­dem habe ich eine Sto­ry, in der ich spä­ter sogar noch ein paar ande­re Geheim­nis­se für gute Chan­ge Sto­rys ent­deckt habe.

Cookie Einstellungen

Diese Website verwendet Cookies, um die bestmögliche Funktionalität zu gewährleisten. Weiterlesen

Akzeptiere alle CookiesSpeichern